Entstehung und Entwicklung der Evangelischen
Kirchengemeinde Massen
Bis 1858 gehörten die einstigen Bauernschaften Ober-
und Niedermassen zum Kirchspiel Unna. Die Unnaer Pfarrer
hatten sich um die Massener, in der Mehrzahl evangelischen Christen,
gekümmert. Der durch den Bergbau bedingte Bevölkerungszuwachs machte
aber die Bildung eines eigenen Seelsorgebezirkes für die Ortschaften
notwendig. Zunächst wurde ein Hilfsprediger dazu beauftragt:
Der aus Fröndenberg stammende Heinrich Schulze-Neuhoff wurde am
22. August 1900 in der Unnaer Stadtkirche in sein neues Amt eingeführt.
Bis zum 20. September 1903 dauerte es, bis aus dem
Bezirk Massen ein eigener Pfarrbezirk und der bisherige Hilfsprediger
Schulze-Neuhoff in den neu gebildeten vierten Pfarrbezirk des Kirchspiels
Unna in Massen als eigenständiger Pfarrer für die neue Kirchengemeinde
eingeführt wurde. Selbstverständlich wurde nun der Ruf nach
einem eigenen Gottesdienstraum immer lauter. Deshalb wurde der alte,
mittlerweile abgerissene, Saal Kligge an der Bismarckstraße angemietet.
Am 20. September 1908, auf den Tag genau ein Jahr
nach der Einrichtung der Pfarrstelle, wurde in diesem Saal der erste
evangelische Gottesdienst in Massen gefeiert. Damals gab es noch
kein eigenes Gemeindehaus. Der erste Weltkrieg und die folgende
Nachkriegszeit verzögerten den Bau eines Gemeindehauses für Massen.
Pfarrer Schulze-Neuhoff schied am 31. Dezember 1921 aus dem kirchlichen
Dienst aus. Sein Nachfolger wurde Hermann Bastert aus Oeynhausen.
Als ein Grundstück an der Kleistraße gefunden war, setzte Pfarrer
Bastert sich für den Bau des Betsaals, dem heutigen Melanchthonhaus,
ein. In einem großen Festzug erfolgte am 16. September 1923 der
Umzug von der Notkirche im Saal Kligge in den neuen Betsaal an der
Kleistraße, der vom Generalsuperintendenten D. Wilhelm Zöllner eingeweiht
wurde.
Die Geldentwertung hatte bereits große Opfer von den
Massener Gemeindegliedern gefordert, doch für die Ausstattung mussten
erneut Spenden gesammelt werden. Allein die Altarbibel kostete 14140
Mark. Schon bald wurde auch die Errichtung eines Pfarrhauses immer
dringlicher. Der Wunsch nach einer eigenen Kirche in Massen
keimte auf und die Umsetzung in die Realität wurde von Pfarrer Alexander
Bansi engagiert angegangen. Bansi war am 16. Februar 1951 zum Pfarrer
für Massen gewählt worden. Am Pfingstsonntag, dem 24. Mai
1953, erfolgte der erste Spatenstich für den Bau der Friedenskirche
in Massen. Schon am Reformationsfest des gleichen Jahres fand das
Richtfest statt. Mitten in der Bauphase starb der erst 54-jährige
Alexander Bansi und konnte so sein Lebenswerk nicht mehr in Vollendung
sehen.
Am 27. November 1954, dem ersten Advent des Jahres,
war die Friedenskirche fertiggestellt und wurde in einem feierlichen
Gottesdienst durch Präses Ernst Willm geweiht und ihrer Bestimmung
übergeben. Die Kirche erhielt auf Wunsch des verstorbenen Pfarrers
Bansi den Namen „Friedenskirche“. Zu dieser Zeit hatte bereits
Pfarrer Heinz Elsermann im Unnaer Pfarrbezirk Massen seinen Dienst
aufgenommen. Seine Einführung erfolgte am 8. Mai 1955.
Der 1. April 1958 sollte zu einem bedeutsamen Meilenstein
in der Geschichte der Evangelischen in Massen werden. Denn an diesem
Tag wurde der bisherige vierte Pfarrbezirk des Kirchspiels Unna
zur selbstständigen Evangelischen Kirchengemeinde Massen erhoben.
Schon sehr bald machte es die ständig wachsende Bevölkerungszahl
erforderlich, dass in der jungen Kirchengemeinde Massen eine zweite
Pfarrstelle errichtet werden musste. So wurde der Hellweg und der
Bockumweg (heute Hansastraße) zur Grenze. Den südlichen Bereich
betreute Pfarrer Elsermann und den nördlichen der neue Pfarrer Gerlach.
Um diese Zeit wurde bereits ein weiteres Gemeindezentrum
an der Buderusstraße gebaut. Vor allem durch die Einrichtung des
Flüchtlingslagers (heute Landesstelle für Spätaussiedler und jüdische
Flüchtlinge) in Massen-Nord wurde der Bau dieses zweiten Gemeindezentrums
nötig. Am 11. Oktober 1959 wurde es eröffnet und erhielt den Namen:
Friedrich-von-Bodelschwingh-Haus. Gleichzeitig wurde aber
auch hinter dem Melanchthon-Haus ein erster Kindergarten gebaut,
der nur wenige Tage nach der Eröffnung des Bodelschwingh-Hauses,
am 17. Oktober 1959, seiner Bestimmung übergeben wurde.
Einige Jahre vergingen, bis eine dritte Pfarrstelle
eingerichtet werden konnte. Am 12. Januar 1964 wurde diese Pfarrstelle
das erstemal besetzt durch Pfarrer Werner Kessler. Die Entwicklung
nahm in allen drei Pfarrstellen ihren Lauf. So entstand noch ein
weiterer Kindergarten in der Emil-Bennemann-Straße und je ein Pfarrhaus
an der Friedensstraße und an der Buderusstraße. Die Pfarrer
und Pfarrerinnen blieben von nun an länger in Massen. Pfarrerin
Jedamski brachte es auf 14 Jahre als Pfarrerin des Bezirkes Niedermassen
und Pfr. Wilfried Scholzen gar auf 34 Jahre, wenn man die Hilfsdienstzeit
mitzählt. In die Amtszeit von Pfr. Scholzen fiel der Bau einer Orgel
für die Friedenskirche.
Heute werden die ersten beiden Pfarrstellen von den
Pfarrern Detlef Main und Jürgen Eckelsbach betreut. Die dritte Pfarrstelle,
die zuletzt Pfarrerin Sabine Kersken inne hatte, ist durch Beschluss
des Presbyteriums und der Landeskirche im Jahre 2000 in eine kreiskirchliche
Pfarrstelle umgewandelt worden, da die Anforderungen in der Aussiedlerseelsorge
sich stark verändert haben. Die seelsorgliche Betreuung der
Massen-Norder wird seitdem vom Inhaber der zweiten Pfarrstelle,
Pfarrer Jürgen Eckelsbach übernommen. Das Presbyterium hat
zu Beginn des neuen Jahrtausends weichenstellende Entscheidungen
getroffen. In Zusammenhang mit dem Verkauf des Pfarrhauses in der
Buderusstraße wurde die mutige Entscheidung getroffen, ein neues
Kinder- und Jugendhaus zu bauen. Die bewusste Entscheidung für Kinder
und Jugendliche etwas zu tun, wurde von allen Seiten begrüßt.
Jugendreferentin Freya Walke konnte das neue Gemeindehaus
am 5. Oktober 2002 im Rahmen eines großen Gemeindefestes eröffnen.
Das Haus, das direkt neben dem Kindergarten Friedensstraße gebaut
wurde, trägt den Namen: ICHTYS. Das ist das griechische Wort
für Fisch und steht für eines der ältesten Glaubensbekenntnisse
der Christen: I = Jesus Ch = Christus, T(heos) = Sohn, S(oter) =
Retter. Das Presbyterium der Kirchengemeinde Massen hofft,
dass in seinen Häusern und Einrichtungen der Glaube an den lebendigen
Gott weitergegeben werden kann und Menschen eine Heimat finden,
in der sie sich wohlfühlen und gern mittun.
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